Anregendes Symposion der Philosophie am WJG

Am 06.10.2017 gab es eine Zusammenkunft der Philosophiekurse Q1/ Q2 mit Prof. Dr. Baumgarten
von der Heinrich – Heine – Universität Düsseldorf. Dabei hatten die Schülerinnen und Schüler
Gelegenheit, bestimmte fachbezogene Themen zu erörtern.


In der Jahrgangsstufe Q2 wurden durch den gemeinsamen Austausch neue Zugänge zu Kants
Pflichtenethik geschaffen. Die tiefergehende Beschäftigung mit Pflicht und Neigung erfolgte am
Beispiel der Menschheitszweckformel: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner
Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel
brauchst.“ Die Komplexität von Kants Gedanken im Bereich der moralischen Handlungen wurde
ebenso aufgedeckt wie gewisse Schwächen seiner Theorie.


Die Jahrgangsstufe der Q1 beschäftigte sich im Anschluss daran mit der weit reichenden Frage
„Was ist der Mensch?“, die ebenfalls von Immanuel Kant formuliert wurde. Prof. Dr. Baumgarten
rekonstruierte mit den Schülerinnen und Schülern in Anlehnung an den Philosophieunterricht
Zusammenhänge und erarbeitete Begriffe wie „Außenwelt“ bzw. „Innenwelt“.


Ein Artikel in der Rheinischen Post ist online abrufbar: rp-online.de

Des Weiteren hatten die Schülerinnen und Schüler des Q1 Essays mit Blick auf diese Frage
verfasst, die dann – im Rahmen des Festaktes zur Verleihung des Werner – Jaeger – Preises 2017 –
am 07. 10 2017 ebenfalls durch die Sparkasse Krefeld prämiert wurden. Es wurden insgesamt vier
Preise vergeben. Auf dem dritten Platz wurden die Essays von Luca Hausmann und Nils Ebler
nominiert. Den zweiten Platz erreichte der Essay von Sahar El Rayes. Den ersten Preis erhielt Anne
Goerke mit ihrem Essay. Herzlichen Glückwunsch!


(Der Essay von Anne Goerke ist hier zu lesen, alle Essays werden dann in der WJG – Info
erscheinen.)


Q1/Q2/Gla

Essay zum Thema: Was ist der Mensch?

Die Frage, was der Mensch sei, eine der vier Kantischen Fragen, bedarf vielerlei Diskussion. Es
gibt viele verschiedene Aspekte, die man zur Eingrenzung dieser Fragestellung heranziehen kann
und auch diverse Quellen und Theorien, die jeweils ein anderes Menschenbild erläutern, sodass die
Frage wohl nie wirklich einheitlich beantwortet werden kann.


Ein Zitat des ehemaligen Papstes Benedikt den XVI. besagt beispielsweise : „Das christliche
Weltbild ist, dass die Welt in einem sehr komplizierten Evolutionsprozess entstanden ist, das sie
aber im tiefsten eben doch aus dem Logos entstanden ist. Sie trägt insofern Vernunft in sich.“
Nun kann man sich zu Beginn fragen, wie die Entstehung der Welt und die Evolution mit der
Beantwortung der Frage was der Mensch sei zusammenhängt. Jedoch werden in diesem Zitat zwei
verschiedene Naturerklärungen erwähnt, die beide somit auch ein unterschiedliches Bild des
Menschen hervorbringen.


Zum einen wird der „ sehr komplizierte Evolutionsprozess“ angesprochen und somit die
Evolutionstheorie und die kausale Naturerklärung unterstützt, die besagt, dass die Erde und alle
Lebewesen, also auch der Mensch, als Folge verschiedener Ursachen entstanden sind, sie lehnt
somit einen Schöpfergott ab. Der Mensch wird als Wesen betrachtet, welches niemals „ perfekt“
sein wird und sich fortdauernd entwickelt, er ist ein Zufallsprodukt und war nicht vorhergesehen.
So könnte man also in Bezug auf die Fragestellung mit der Evolutionstheorie argumentieren, die
schließlich auch durch etliche Funde und Beweise bewiesen ist und somit sehr plausibel erscheint.
Diese Naturerklärung bildet jedoch einen Unterschied zur zweiten, im Zitat erwähnten,
teleologischen Naturerklärung.


Diese wird deutlich im Erwähnen des „ Logos“, was eigentlich mit Lehre übersetzt wird, jedoch in
diesem Zitat als „Vernunft“ gemeint ist... doch wie genau definiert man denn die „ Vernunft“, wann
genau ist etwas „ vernünftig“ und ist „ Vernunft“ nicht eigentlich subjektiv?


Im Allgemeinen kommt mir zu dieser Frage zuerst in den Sinn, dass Vernunft etwas ist, das Sinn
hat und einem höheren Zweck dient, welcher zusätzlich eine von der Gesellschaft positiv gewertete
Norm ist.


Somit würde nach dieser Definition das Wort Vernunft ja keineswegs die Evolutionstheorie
ausschließen oder etwas gegensätzliches darstellen, da man ja auch behaupten könnte, dass die
Evolution mit all dem was sie geschaffen hat, nach wie vor schafft und ihrer stetigen Entwicklung
ja als vernünftig angesehen werden könnte.


Zum Logos gehört in der teleologischen Naturerklärung zusätzlich auch der „telos“, also der
Zweck, das Ziel einer Sache. Aber auch dies widerspricht nicht der Evolutionstheorie, da sie ja den
Zweck besitzt, Leben zu schaffen und dieses sich entwickeln zu lassen.


Müssen sich die teleologische und die kausale Naturerklärung also wirklich gegenseitig
ausschließen?


Christen legen die teleologische Naturerklärung so aus, dass diese auf einem Schöpfergott basiert,
welcher in der Vergangenheit die Welt und die Naturgesetze erschaffen hat, in der Gegenwart das
aktuelle Geschehen steuert und in der Zukunft einen Sinnhorizont erschafft.


Dadurch wären diese beiden Erklärungen wiederum nicht miteinander vereinbar, auch was die
Menschenbilder angehen würde. Denn nach der teleologischen Naturerklärung der Christen hat ein
Schöpfergott den Menschen nach seinem Abbild erschaffen, er war somit geplant und ist perfekt so
wie er ist, was eine Entwicklung von jenem ausschließen würde und ein Gegenargument zu dem
vorigen bildet, allerdings mit dem Unterschied, dass man sich hierbei auf die heiligen Schriften und
nicht auf wissenschaftliche Erkenntnisse bezieht. Die Frage wäre hierbei nur, ob nicht handfeste
Beweise der Wissenschaft glaubwürdiger sind als heilige Schriften denen man seinen Glauben
schenkt.


Jedoch, wenn die beiden Naturerklärungen, und somit auch die damit einhergehenden
Menschenbilder, nicht miteinander vereinbar wären, wie kann der Papst dies dann in seinem Zitat
so gebrauchen?

 

Anne Goerke Q1 Ph Gla