Erziehungswissenschaften

Das Thema „Erziehung“ erfährt derzeit gesellschaftlich eine starke Aufmerksamkeit und Wertschätzung, ist aber auch Anlass zu Verunsicherungen. Wir möchten mit dem Fach Erziehungswissenschaften als langfristiges Unterrichtsziel dessen Bedeutung für die Gestaltung, die Wiederaufnahme und den Fortbestand von des humanitären Zusammenlebens herausstellen. Ein möglicher Weg dorthin heißt, sich die biografischen Hintergünde unserer Mitmenschen bewusst zu machen, indem wir uns in sie hineinversetzten, um ihre Reaktionen zu verstehen und darauf entsprechend reagieren zu können.

 

Im Pädagogikunterricht wird im ersten Halbjahr der Einführungsphase, vom Wesen des Menschen ausgehend, der Versuch unternommen aufzuzeigen, welche Einflüsse auf den zu Erziehenden einwirken.

 

Hier haben wir es mit sozialer und kultureller Anpassungserwartung bzw. Individualitätserwartung zu tun. Diese Erwartungen können aber nur an den Menschen gestellt werden, weil er so enorm lernfähig ist (zweites Halbjahr der Einführungsphase). Er hat die Chance, etwas aus seinem Leben zu machen, erfährt zugleich aber auch das Risiko, wenn er „falschen“ Vorbildern nacheifert.

 

Seine „positive“ Entwicklung (erstes Halbjahr der Qualifikationsphase) ist u.a. davon abhängig, wie viel seine Erzieher über allgemeine Entwicklungsfaktoren (körperliche, geistige, moralische etc.) wissen und diese entsprechend fördern.

 

Im Unterricht nimmt die Frage nach Ursachen von Entwicklungsstörungen breiten Raum ein (zweites Halbjahr der Qualifikationsphase), weil hier durch gezielte Beschäftigung mit Prävention manches erzieherische Problem erst gar nicht aufkommen würde. In der Auseinandersetzung mit Fremdbiografien (Fallgeschichten) bietet der Unterricht viele Möglichkeiten, autobiografisch zu lernen: z.B. welcher Lerntyp bin ich, wie konfliktfähig bin ich, wie kann ich meine Empathiefähigkeit z.B. Randgruppen gegenüber verbessern, wovon ist Toleranz abhängig, wie kann ich Gruppenerlebnisse besser einordnen, etc. Es geht also alles in allem darum, herauszufinden, wie die eigene Sozialkompetenz gestärkt werden kann.

 

In dritten und vierten Halbjahr der Qualifikationsphase schließlich geht es um das Thema „Erziehung zur Bildung“. Damit einher geht in jedem Fall eine wichtige Erkenntnis: Erziehung ist ein lebenslanger Prozess. Er macht auch vor dem Alter nicht Halt, wie Ansätze aus der Altersforschung zeigen werden.

Das Fach Erziehungswissenschaften wird im Differenzierungsbereich der Sekundarstufe I unterrichtet. Es kann, unabhängig vom Besuch des Differenzierungs-Kurses in der S I, in der S II neu aufgenommen werden. Hier werden Grund- und Leistungskurse angeboten.

 

Den kompetenzorientierten schulinternen Lehrplan für die Erziehungswissenschaften (Sek I) finden Sie hier zum Download.

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Nachfolgend ist ein Beispiel für eine handlungsorientierte Unterrichtsreihe in der Sekundarstufe I dokumentiert:

Schulerkundungen in Nettetal


Im Rahmen des Differenzierungskurses Erziehungswissenschaften der  Jahrgangstufe 10 haben die SchülerInnen, die in Nettetal vertretenen Schulformen untersucht. Sie konnten nach eigenem Interesse eine Schulform aussuchen unter der Maßgabe, dass alle Schulformen in der Stadt erfasst wurden.  Ausgehend von den allgemeinen Zielen und Merkmalen jeder Schulform sollten deren Schwerpunktsetzungen und Besonderheiten durch Besuche vor Ort in Erfahrung gebracht werden. Am spannendsten war dabei sicherlich das Interview mit Schulleitungsmitgliedern auf der Grundlage eines vorab erstellten Fragenkatalogs.

Nachfolgend kurze Auszüge aus einigen Arbeiten:

Einige SchülerInnen wollten Neues erkunden:


„Wir entschieden uns für das `nähere Erkunden´ der Gemeinschaftshauptschule Kaldenkirchen, weil diese Schulform (…) immer als das genaue Gegenteil eines Gymnasiums gilt. Deshalb wollten wir Vieles über diese Schule erfahren, um (…) mitreden zu können, wenn wieder einmal etwas Negatives über eine Hauptschule erzählt werden sollte“. (Eva, Linda)

„… haben uns für die Comeniusschule in Hinsbeck entschieden, weil uns der Unterschied zwischen einer Förderschule und einer `normalen´ Schule, wie der unseren, sehr interessiert.“ (Judith, Verena )

Andere gingen auf eine `Zeitreise´ und untersuchten die Grundschule, die sie selbst besucht hatten.

 „Schon bei den Vorbereitungen wurden Bilder aus unserer eigenen Schulzeit wachgerufen.“
( Annegret, Mona).

Und herausgefunden wurde z. B.:
„Wir denken, dass die flexible Eingangsphase zwar eine große Chance für begabte Kinder ist, da sie die (…) Schulzeit in einem geringeren Zeitraum absolvieren können, die schlechteren Schüler jedoch dadurch enorm unter Druck stehen.“ (Kira, Laura)

„ … nun können wir auch besser mitreden, was diese Schule betrifft und manche Vorurteile klarstellen.“ (Eva, Linda)

 

 

LK-Erziehungswissenschaft im interkulturellen Dialog

Im Rahmen des Themas interkulturelle Erziehung und Bildung besuchte ein Leistungskurs Erziehungswissenschaft in der Q2 die Lobbericher Moschee. In sehr freundlicher und offener Atmosphäre konnten zuvor im Unterricht entwickelte Fragen diskutiert werden.


Inhaltlicher Anknüpfungspunkt war das vorangegangene Thema „Erziehung im Nationalsozialismus“ mit der dort praktizierten Manipulation und Verführung von Kindern zu rassistischem Denken und Handeln. Ein weiterer Anknüpfungspunkt war das, was aktuell weltpolitisch im „Nahen Osten“ geschieht, das verbrecherische Vorgehen des so genannten „IS“ im Namen des Islam.


In Umsetzung der Grundsätze einer interkulturellen Pädagogik diente der praktische Diskurs dazu Befremdung abzubauen, auch unterschiedliche Standpunkte zu verdeutlichen und kulturübergreifende Werte herauszuarbeiten, die erzieherisch bedeutsam sind.


Wol


11 Schülerinnen des PädaDiff-Kurses 8/9 am Werner-Jaeger-Gymnasium haben erfolgreich den Babysitter-Führerschein absolviert

(v.l.: Melina Meertz, Schirin Toerschen, Fyne Büsen, Maria Ortz, Sophie Osterkamp, Paula Maesmanns, Pauline Sirries, Sara Koths, Lea Crins; es fehlen hier: Charlotte Dammer und Leann Schrievers)

Kinderbetreuung ist nicht leicht und doch ein beliebter Nebenjob. Wie verläuft die Entwicklung eines Kindes? Wann kann welches Spielzeug eingesetzt werden, um ein Kind bestmöglich zu fördern? Wie können Unfälle vermieden werden? Diese Fragen stellen sich nicht nur viele Eltern, sondern auch die Schülerinnen und Schüler des PädaDiff - Kurses, die als Babysitter arbeiten wollen. Zur Erlangung des Babysitterführerscheins haben die Absolventinnen vertiefte Kenntnisse in folgenden Themenbereichen nachgewiesen:

  • Entwicklung des Kindes
  • Spielpädagogik
  • Unfallverhütung im Kindesalter
  • Ernährung, Pflege, Gesundheit
  • Jugendarbeitsschutz


Darüber hinaus fanden Hospitationen in folgenden Einrichtungen statt:

  • Kindergarten/ Kindertagesstätte/ Tagesmutter
  • Sport- oder Turnverein


Doch nicht nur die Schüler profitieren von dem Babysitter-Führerschein. Für Eltern bedeutet er die Gewissheit, dass der Babysitter grundsätzliche Kenntnisse in der Pflege und Betreuung von kleinen Kindern hat. Eine Vermittlung der „diplomierten“ Babysitter kann über das Werner-Jaeger-Gymnasium (Ansprechpartnerin Iris Glaser-Warmbier) bzw. den DRK-Kindergarten (Ansprechpartner Herr Zorn) erfolgen. Herzlichen Glückwunsch!

EW-Kurse: Studientag am historischen Ort Vogelsang/Eifel

Zu den für das Abitur verbindlichen Inhaltsschwerpunkten im Fach Erziehungswissenschaft gehört das Thema "Erziehung im Nationalsozialismus".

 

Zwei Leistungskurse und ein Grundkurs der Qualifikationsphase 2 haben den außerschulischen Lernort NS-Ordensbug Vogelsang zur Durch-führung eines Studientages aufgesucht. In einem sechsstündigen Workshop konnten die WJG-SchülerInnen die Möglichkeit nutzen, den NS-Täterort in seiner historischen Dimension als Schulungsstätte und politischen Kultort der NSDAP zu begreifen. Möglich wurde diese Exkursion durch die freundliche Unterstützung durch den Schulverein des WJG.


Die SchülerInnen suchten in Kleingruppen auf dem weitläufigen Gelände Arbeitsstationen auf, an denen sie mithilfe von Quellen- und Arbeitsmaterialien untersuchten, wie in Vogelsang junge Männer und Jungen zu überzeugten Nationalsozialisten geformt wurden. Dabei konnten sie die Funktion der NS-Ordensburg und der Adolf-Hitler-Schulen begreifen und hinterfragen. Auch wurde der Bogen zur frühkindlichen Erziehung geschlagen, indem auf der Grundlage eines NS-Erziehungsratgebers das Postulat der „Härte“- auch schon bei der Erziehung der Kleinsten - herausgearbeitet wurde.


Wol


Nachfolgend einige Kommentare von Schülerinnen und Schülern:

Wir fanden den Tag in Vogelsang sehr aufschlussreich und informativ. Außerdem war der Guide, den wir hatten, sehr freundlich, lustig und hat es so sehr gut ermöglicht, dass wir uns die meiste Zeit konzentrieren konnten (…). Das einzige was für uns negativ war, war der Zeitdruck: Wir mussten die Aufgaben zügig erledigen und eine Präsentation vorbereiten und hatten deshalb so gut wie keine Zeit, die Umgebung selbst zu erkunden.

Insgesamt fand ich die Exkursion nach Vogelsang positiv, durch die Eigeninitiative war die Arbeit nicht zu eintönig und die einzelnen bearbeiteten Themen waren interessant. Die Bearbeitungszeit war etwas zu kurz, aber um einen ersten Einblick in das neue Thema zu bekommen war der Ausflug sehr hilfreich!


Meiner Meinung nach ist Vogelsang definitiv einen Ausflug wert. Dadurch erlangt man eine Vorstellung über das, was im Unterricht zum Nationalsozialismus bearbeitet wird. Es war gut, dass wir die Vorträge selbst erarbeiten mussten. [aber] Ich habe mir viel mehr erhofft, z.B. einen Einblick in den Speisesaal oder die Klassenzimmer zu haben. Alles in allem finde ich sollte der Ausflug wiederholt werden.


Die heutige Besichtigung der ehemaligen NS-Schule in Vogelsang hat mir gut gefallen. Ich habe viel über die Zeit und die Erziehung der Nationalsozialisten lernen können und fand es persönlich auch gut, dass wir selber in Kleingruppen die Themen erarbeiten konnten. (…) Ich hätte mir jedoch erhofft mehr Räumlichkeiten der ehemaligen Schule zu sehen. Alles in allem fand ich war es gelungener Tag und uns wurde viel Wissen vermittelt.

Ich denke, dass der Tag sinnvoll war. Ich habe einen Überblick über Erziehung, Ziele und Methoden der Nazis gewonnen.


[Ich fand] es aber trotzdem interessant, zu sehen, wie die Menschen dort gelebt haben und wie das Gelände aufgeteilt und gebaut war und es war eine abwechslungsreiche Alternative zum Unterricht. Insgesamt wäre es [aber]schöner gewesen, wenn die Referentin selbst die Leitung übernommen hätte und etwas mehr ins Detail gegangen wäre.