Geschichte

Am Niederrhein war es um die schulische Bildung im Mittelalter schlecht bestellt, was man daran sieht, dass die erste Schule in Lobberich erst 1618 gegründet wurde. Allerdings machten es seit 1584 Studienstiftungen möglich, eine Ausbildung in einem Gymnasium (z.B. in Köln) zu machen. Auf der Lobbericher Schule wurde vor allem Lesen und Schreiben vermittelt. Den meisten Einfluss hatte der Pfarrer auf die Schule, da diese in den Bereich der "pfarramtlichen Tätigkeiten" fiel. 1788 wurde eine Sonntagsschule für Kinder, die in der Woche für ihre Eltern arbeiten mussten, eingerichtet. Dort wurden ebenfalls Lesen und Schreiben gelehrt, aber auch, wenn auch nur beschränkt, das Rechnen. Sie hatte also den Charakter einer sogenannten "Elementarschule". Im Zuge des Ausbaus des preußischen Erziehungswesens stieg im 19. Jahrhundert die Zahl der Schüler, Klassen und Lehrer stark.

 

Den ersten Ansatz der gymnasialen Schulbildung konnte man 1840 feststellen. 1882 wurde dann die Schule gegründet, aus der das Werner-Jaeger-Gymnasium hervorgegangen ist. Diese Schule war zunächst eine Rektoratsschule, später eine gymnasiale Zubringeschule, danach Progymnasium. Kurz nach der Fertigstellung des neuen Schulgebäudes erhielt die Schule 1958 den Namen Werner-Jaeger-Progymnasium. 1969 bestanden die ersten 10 Schüler am jetzt "umgetauften" Werner-Jaeger-Gymnasium das Abitur.

 

 

Lehrerkollegium 1950: Die „Gymnasiale Zubringeschule“ erhält 1950 einen neuen Leiter: Dr. Bruno Rech löst Dr. Albert Fenkes ab. Das wurde in der Burg Ingenhoven mit den Repräsentanten der Gemeinde gefeiert. Das Bild zeigt (erste Reihe von links): Bürgermeister Arnold Kirchhofer, Arnold Friedrichs, Dr. Rech, Dr. Fenkes, Gemeindedirektor Dr. Carl Smeets, Studiendirektor Mathias Basten (Thomaeum Kempen), Kaplan Bechstein, (auf der Treppe von links) Clementine Wiedemann, Dr. Karl Baumgarten, F. Jaschke, Pfarrer Peter Werth, Alice Pohle, Maria Tups, Pfarrer Paul-Wilhelm Schmidt, Georg Breitbach (halb verdeckt), Josef Roth und Theodor Schreyer.

(Fotografie freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Manfred Meis)

 

 

 

 

 

„Mittlere Reife“ ersetzte Prüfung

Lang war in Lobberich der Weg von der Rektoratschule zum Progymnasium. Vor 50 Jahren freuten sich erstmals Schüler über die „Mittlere Reife“ nach Klasse 10.

NETTETAL. Bei dem Blick auf 550 Jahre Marktrechte für Lobberich ist in diesem Jahr ein kleiner Meilenstein in der Schulgeschichte der Stadt übergangen worden: Vor 50 Jahren verließ erstmals ein Schülerjahrgang mit „Mittlerer Reife“ das Progymnasium, das bis dahin nur „Gymnasiale Zubringeschule“ hieß. Einige der 19 Schüler/innen von einst haben sich kürzlich zum 50. Jahrestag in kleinem Kreis getroffen, im Frühjahr 2006 soll dann ein großes Klassentreffen stattfinden.

Offiziell war die „Höhere Schule“, seit 1882 in gemeindlicher Obhut, seit Ostern 1954 Progymnasium. Um ein Haar hätte es mit der 10. Klasse, die damals noch Untersekunda hieß, nicht geklappt, denn „der Schriftverkehr mit dem Kultusminister zog und zog sich hin“, erinnert sich Klaus Loseries (Hinsbeck), später selbst viele Jahrzehnte Lehrer am dann voll ausgebauten Werner-Jaeger-Gymnasium. In den Osterferien erst erreichte die Schüler/innen ein Brief des Schulleiters Dr. Bruno Rech, dass es nun doch noch mit der nächsten Klasse klappe.

„Wir haben zweimal Schulabschied gefeiert“, erzählt Marianne Kuhnert-Hauertz (Lobberich), „denn wir waren zweimal die älteste Klasse“. Sie war auch schon wie die meisten der sieben Mädchen in Mülhausen angemeldet, um dort das Abitur abzulegen. Die elf Jungen zog es auf das Thomaeum in Kempen. Von dort war in den zurückliegenden Jahren auch die Schulaufsicht ausgeübt worden. Mit „Mittlerer Reife“ brauchte nun keine Aufnahmeprüfung mehr in anderen Schulen gemacht zu werden.

 

Daraus wird 20 Jahre später die „Katholische Höhere Kommunal-Knabenschule“, die um die Jahrhundertwende auch
der Protestant Werner Jaeger besuchte, der ein bedeutender Altphilologe wurde. 1930 übernimmt die Knabenschule die seit 1904 bestehende „Höhere Mädchenschule“, so dass seither Koedukation herrscht. Erst 1943 wird aus der alten Rektoratschule eine „Gymnasiale Zubringeschule“ mit vier Jahrgängen, 1950 kommt die Obertertia (9. Klasse) hinzu, 1954/55 dann die Untersekunda.

Wegen der ständig steigenden Schülerzahlen war das Fast-Progymnasium viele Jahre eine Wanderschule. Unterrichtet wurde im alten Gebäude an der Burgstraße (heute islamische Moschee), im einst „Braunen“, dann „Weißen Haus“ an der Süchtelner Straße 30 (heute Friseursalon La Beauté) und in der Berufsschule an der Färberstraße. Als Klaus Loseries 1949 in der Sexta war, „mussten wir Briketts zum Heizen mitbringen, und die Weihnachtsferien wurden eine Woche verlängert, weil die Gemeinde keine Kohlen hatte“. Das änderte sich alles, als das Progymnasium 1958 ein neues Schulgebäude an den Sportplätzen erhielt, das der damalige Leiter Dr. Adolf Wuttke einen „Marktstein in der Geschichte der höheren Schule Lobberichs“ nannte. Manfred Meis

 

1967 wurde aus dem Progymnasium das „Werner-Jaeger-Gymnasium“, an dem 1969 das erste Abitur mit zehn Schüler(inne)n stattfand. Nach Anton Glaab und Dr. Hans-Jakob Pauly und Elisabeth Ponzelar-Warter leitet nun Hartmut Esser das Gymnasium, das zur Zeit 900 Schüler hat.